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OPEX & Produktionsoptimierung – viel Erfolgspotential für KMUs

OPEX & Produktionsoptimierung

 

Heute im Experten-Interview: Michael Braunschmidt, Geschäftsführer bei der ifp consulting in München. Der renommierte Wirtschaftsspezialist gibt Einblicke über seine praktischen Erfahrungen im Bereich Produktionsoptimierung und hat wichtige Tipps zu OPEX & Co parat.

 

Herr Braunschmidt, Sie sind nicht nur Geschäftsführer bei der ifp consulting GmbH & Co.KG, Sie sind vor allem ausgebildeter und erfolgreicher Wirtschaftsingenieur. Sie besitzen daher viel praktische Erfahrung in der Produktionsoptimierung. Könnten Sie noch einmal in eigenen Worten definieren, was Sie unter Produktionsoptimierung verstehen?

Wir verstehen unter Produktionsoptimierung die Verbesserung von Produktionsabläufen – technisch und organisatorisch. Das heißt, nicht nur die Produktionsanlagen werden genau auf ihr Optimierungspotential geprüft, sondern auch die einzelnen Produktionsschritte und Produktionsprozesse. Hier spielt auch der Mitarbeiter eine zentrale Rolle.

Ziel ist es, die Kennzahlen des Unternehmens im Bereich Sicherheit, Qualität und Kosten nachhaltig zu verbessern. Im Expertenjargon wird dieser Management-Ansatz SQDC abgekürzt, was für die Englischen Schlagworte Safety, Quality, Delivery und Cost steht.

Mit Fokussierung lassen sich nachweislich starke Vorteile gewinnen, die die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens sichern und steigern. Darunter zum Beispiel geringere Durchlaufzeiten, bessere Qualität, höhere Durchsätze und vieles mehr.

 

Produktionsoptimierung betrifft also nicht nur Aufbau und Funktionen der Produktionsanlagen, sondern hat auch eine menschliche Komponente. Damit meine ich nicht die Reduzierung von Personalkosten. Was ist auf Mitarbeiter Ebene oft an Verbesserung im Produktionsprozess möglich?

Richtig, der Mensch ist und bleibt im Mittelpunkt im Unternehmen und ist somit wohl wichtigster Bestandteil von Industrie 4.0 in der Fabrik. Und seine Rolle ist nicht zu unterschätzen.

Industrie 4.0

Natürlich sind Anlagen auf höchstem Niveau ein wesentlicher Faktor. Dennoch wird es immer Menschen brauchen, welche die Daten richtig interpretieren, und intelligente, wertschöpfende Schlüsse zur Prozessverbesserung finden.

Eine leistungsbereite Belegschaft ist daher obligatorisch, um in Sachen Produktionsoptimierung beste Erfolge anstatt Durchschnittliche zu verzeichnen.

Denn nur so lässt sich die Wertschöpfungskette optimal ausnutzen.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Es ist längst nicht damit getan, Systeme und Methoden für Optimierungsvorgänge zu etablieren, wenn niemand im Betrieb damit umgehen kann. Die Schulung der Mitarbeiter im Umgang mit neuen Techniken, Methoden & Ansätzen halte ich für einen der wichtigsten Bausteine in der Produktionsoptimierung.

Gleichzeitig ist es aber auch eine der größten Herausforderungen gerade für die KMU.

 

Fassen wir noch einmal zusammen: Warum spielt die Produktionsoptimierung jetzt und in Zukunft eine tragende Rolle für produzierende Unternehmen?

Da gibt es viele Gründe, die zusammenkommen. Die Wirtschaft ist heutzutage recht turbulent:
Neben den klassischen Herausforderungen von sinkenden Budgets, anspruchsvolleren Kundenwünschen oder zunehmender Globalisierung, kommt jetzt noch VUCA.

Das ist ein Kunstwort und kürzt die Wörter Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity ab. Der Markt wird also zunehmend volatiler, unsicherer, komplexer und widersprüchlicher. Das heißt, für die Produktionsoptimierung wird es aufwendiger in der Planung und die Systeme müssen deutlich adaptiver werden.

Ich denke, Produktionsoptimierung ist nicht nur ein Vorteil für Unternehmen, sondern bereits Pflichtprogramm für alle, die sich auf dem nationalen und internationalen Markt behaupten möchten.

Gerade bei produzierenden Unternehmen wird ein Großteil des Kapitals und der Kosten in die Herstellung gesteckt – völlig zu Recht. Darum macht es Sinn, gerade bei Produktionsprozessen nach Faktoren zu suchen, die verbesserungswürdig sind. Und da gibt es meiner Erfahrung nach jede Menge Potential.

 

Vorteile Produktionsoptimierung

Die Vorteile der Produktionsoptimierung sind mehr als vielversprechend. Wenn nicht sogar ein wichtiger Schachzug im globalen Marktumfeld.

Neben der Kostenminimierung mündet ein erfolgreicher Optimierungsprozess in höheren Reingewinnen, einer höheren Wettbewerbsfähigkeit und Qualitätssteigerung.

Das lässt sich auch in den eingangs erwähnten SQCD Kennzahlen wiederfinden.

Diese Vorzüge bleiben aber nicht nur beim Unternehmen selbst, auch Mitarbeiter, Shareholder und Endkunden haben etwas von einem kundenorientierten und verbesserten Produktionsprozess.

 

Wie sehen Sie den derzeitigen Stand in Deutschland? Findet in der Produktion noch zu wenig Effizienzprüfung statt?

Es gibt einige deutsche Unternehmen, die in Sachen schon recht weit sind. Auch haben bereits viele die Notwendigkeit der Vernetzung durch steigende Digitalisierung der Wertschöpfungskette erkannt.

Allerdings muss ich sagen: In Deutschland ist die Vernetzung in Unternehmen noch schwach ausgeprägt. Hier liegt sehr viel Optimierungspotential, das nur darauf wartet entdeckt zu werden. Nicht nur in der Produktion, sondern in allen Geschäftsbereichen. Das gilt branchenübergreifend.

Stichwort: Produktionsrestrukturierung. Ein etwas sperriger Begriff. Was genau ist darunter zu verstehen?

Restrukturierungen sind einmalige Projekte, welche die Produktion wieder auf Erfolgskurs bringen. Wesentlich dafür ist zum Beispiel die Senkung von Kosten, die Steigerung der Leistungsfähigkeit und das Schaffen eines schnell verfügbaren Mehrwerts. Dabei sind durchaus einschneidende Veränderungen notwendig. Qualität und Kosten sind hier also im Fokus.

 

Kommen wir zum Thema Operational Excellence (OPEX). Operational Excellence zielt darauf ab, die Produktionskosten zu reduzieren, Produktionsprozesse zu verbessern etc. Allerdings ist OPEX keine einmalige Restrukturierungsmaßnahme. Inwiefern?

Im Großen und Ganzen versetzt OPEX das Unternehmen in die Lage, sich immer wieder neu marktkonform aufzustellen und Geschäftsabläufe strategisch, wirtschaftlich und kundenfokussiert ständig verbessern zu können. So viel zur Definition von Operativer Exzellenz.

OPEX und Ziele

Das Streben nach den bestmöglichen Prozessen und Methoden ist hier ausschlaggebend. Es geht darum, sich nicht mit durchschnittlichen oder gut laufenden Erfolgen zu begnügen, sondern das Beste aus der gesamten Wertschöpfungskette herauszuholen.

Auf Mitarbeiter Ebene bedeutet das permanente Weiterbildung, auf technischer Ebene hingegen stetigende Innovation und technologische Weiterentwicklung. Das beinhaltet auch das Verständnis, Bestandteil eines Wertschöpfungskreislaufs zu sein und kontinuierlich zu dessen Evolution beizutragen.

Ich empfehle allen Unternehmen, die sich für OPEX interessieren, externe Experten hinzuzuziehen, die den Ansatz verständlich vermitteln, Mitarbeiter im Veränderungsprozess mitnehmen, Methoden schulen und Tools implementieren.

 

Auf welche Faktoren stützen sich OPEX-Ansätze, um erfolgreich zu sein?

Operational Excellence braucht zunächst einmal schlanke, anpassungsfähige und leistungsfähige Prozesse. Mit einer Sport-Metapher ausgedrückt: OPEX ist eine Art Fitnessprogramm,mit dem Ziel, in der Champignons League zu spielen. Darüber hinaus ist aber auch die Qualifikation und das Effizienz-Streben der Mitarbeiter wesentlich für den Erfolg von OPEX-Maßnahmen.

Ich meine, es kommt vor allem auf das Zusammenspiel von anpassungsfähiger Belegschaft und effizienten Prozessen an.

 

Unternehmen agieren heutzutage stark über Software-Tools. Welche Rollen spielen diese im Umfeld der Operational Excellence?IT und OPEX als zentrale Elemente

IT und entsprechende Tools sind heutzutage nicht mehr wegzudenken, das ist richtig. Sie dienen als vielseitiges Hilfsmittel, um Produktion und Prozesse zu optimieren.

Allerdings braucht es erst einen stabilen, gut laufenden Prozess, bevor IT-Tools herangezogen werden sollten. Ganz einfach deswegen, weil nur funktionierende Abläufe die richtigen und relevanten Daten liefern, welche die IT mit Algorithmen schließlich gewinnbringend analysiert.

Oftmals kann an bestehenden Prozessen noch jede Menge verbessert werden und es muss im ersten Schritt nicht immer das Machine Learning als erster Schritt angewandt werden,

Sind Optimierungen umgesetzt und die Produktion läuft reibungslos, dann kann man nachdenken, wie sich Prozesse IT-technisch unterstützen lassen. Das ist ein wichtiger Punkt, den ich gar nicht oft genug betonen kann: denn eine schlechte Prozessorganisation wird mit technologischer Hilfe zwar schneller, aber längst nicht besser – um nur ein Beispiel von vielen Fehlern zu nennen.

Außerdem müssen sich Unternehmen darüber im Klaren sein, dass auch technische Lösungen ihre Einführungszeit benötigen. Ist die richtige Software gefunden, sollten Experten sie kontinuierlich auf Verbesserungen prüfen, da häufig noch weitere individuelle Anpassungen nötig sind.

 

Insgesamt klingt das sehr umfassend. Wir können sich Unternehmen dem Thema Operational Excellence am besten nähern?

Ich lege produzierenden Unternehmen, die das Thema Vernetzung in Angriff nehmen wollen, ans Herz, sich eine professionelle Hilfe und Beratung zu sichern. Es gibt nämlich allerhand zu tun und noch viel mehr zu berücksichtigen.

OPEX UnternehmensberatungSo ist der erste Schritt eine Vision und Strategie zu entwickeln, welche als Basis für weitere Maßnahmen dienen.

Im zweiten Schritt wird die Belegschaft integriert, das heißt, die Mitarbeiter müssen eingebunden, befähigt und motiviert werden, in einem dynamischen Umfeld zu agieren.

Der dritte Schritt konzentriert sich auf die optimale Nutzung klassischer Verbesserungsmethoden, um definierte Ziele zu erreichen und das Gesamtsystem zu optimieren.

Dazu zählen beispielsweise die Ansätze aus dem Lean Production. Erst jetzt sollte der Fokus und die damit verbunden Investitionen zielgerichtet in die Vernetzung der Produktionsprozesse einfließen.

Denn Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein, sondern muss letztendlich einen Mehrwert bei den Kunden auslösen. Natürlich müssen Führungskräfte und Unternehmenslenker die Mitarbeiter im gesamten Prozess und der Anwendung geschult werden.

Wer hierfür eine technische Unternehmensberatung in Anspruch nimmt, hat schon einmal viel gewonnen. Denn professionelle Berater überzeugen mit einem digitalen Maßanzug, der genau den individuellen Bedürfnissen und Ansprüchen des jeweiligen Unternehmens gerecht wird.

Genau das ist nämlich die Kunst in der Produktionsoptimierung und Prozessoptimierung: aus der Vielzahl an Tools das Richtige für eine bestimmte Situation auszuwählen und ordentlich zu implementieren.

Und das gelingt nun einmal am besten mit der fachkundigen Hilfe von Spezialisten.

 

Über Michael Braunschmidt

Michael Braunschmidt, ifp consulting

Michael Braunschmidt ist studierter Wirtschaftsingenieur mit vielen Jahren praktischer Erfahrung. So war er bereits von 2004 bis 2007 technischer Unternehmensberater bei der ifp consulting GmbH & Co. KG.

Insgesamt war der renommierte Wirtschaftsingenieur in den letzten 12 Jahren in verschiedensten Positionen bei der BOSCH Hausgeräte GmbH tätig und verfügt über viel praktisches Wissen.

Seit Juni 2019 ist Herr Braunschmidt einer der Geschäftsführer der ifp consulting.

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